80 Jahre Ludwig Raab 08.02.2019

Wenn der Raab Luck in Katzbach das Gatter zu seinem Garten aufstößt, schnattern sie in ihrem Verschlag schon lauthals los. Die Gänse des 80-Jährigen flattern aufgeregt durcheinander, bis er sie aus ihrem Gefängnis befreit. Danach hat Raab keine Minute, ohne dass ihm das weiße Federvieh auf den Fersen ist. Die Gänse folgen ihrem Ziehvater auf Schritt und Tritt. “Und gschnappig sind sie auch noch”, lacht der Pensionär.
Die Gänse sind Zuagroaste aus Altrandsberg. Da hat der Raab Luck sie einem Geflügelzüchter abgekauft, den er bei der Schau in Chammünster getroffen hatte. Raab wollte eigentlich ein paar Bibhendl - Truthennen -, sah die Gänse und entschied spontan: “Die nehm ich auch noch mit.” Vier Monate lang hat sie der frühere Malermeister nun hochgepäppelt, “mit allerbestem Futter”, wie er sagt. Jetzt bringen sie wohl so um die sieben, acht Kilo auf die Waage. “Die bekommen kein Fertigfutter-Glump, sondern zupfen den Rasen kurz, bekommen Salat und geschnittene Semmeln oder Brot.” Raab holt einen grünen Eimer aus dem Schuppen. Der Ganserer ist als erster da und drückt seinen langen Hals in die Semmelpampe. “So einen Eimer voll fressen sie jeden Tag”, erzählt Raab.Er schlendert hinüber zum Hühnergehege. Sechs Hennen und ein stolzer Hahn picken sich hier durch die Wiese. “Hühner sind die einzigen Tiere, die sich absolut rechnen”, grinst Raab. “Die finanzieren sich selber mit den Eiern, die sie legen.” Zwei Gänse watscheln sich vorwitzig an ihn heran und zwicken ihn von hinten in die Hose. Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom der etwas anderen Art. Der Katzbacher Gänseflüsterer lässt sich nicht zweimal bitten und verschwindet noch einmal schnell im Schuppen. Mit ein paar Salatblättern in der ausgestreckten Hand kommt er zurück. Handverlesenes Futterfassen gehört in Katzbach zur Rundumversorgung der Gänse. Raabs Frau, die kurz vorbeischaut, kommentiert nur kopfschüttelnd: “Mei, wenn der keine Tiere hat...”, und verdreht die Augen.
Ja, Tiere hat der Raab Luck schon so einige gehabt. Schweine, Ziegen, Pferde, Schafe, Ziergeflügel jedweder Art - “nur eine Kuh hatte ich bisher nicht”. Die Tiere waren schon immer sein Gegenpol zur Arbeit in der eigenen Malerfirma. “Das ist doch eine Freude, wenn man sie sieht”, deutet er auf seine verbliebenen drei Gänse. Auch, wenn den Tieren Sankt Martin und die Weihnachtsfeiertage zum Verhängnis werden - bis zum Schluss hegt und pflegt Raab die edlen Tiere, die jetzt, nach dem Semmelfressen, nicht mehr ganz so weiß daherkommen.Er deutet auf ein Wasserbecken im Verschlag, das er im trockenen Sommer heuer täglich eigenhändig mit Schubkarren voll Wasser gefüllt hat. “Die baden sich bis morgen wieder so sauber, bis das Federkleid glänzt.” Raab kommt gleich ins Träumen. “Wenn ich wüsst', dass der Ganterer und die Hennen Eier brüten würden, würde ich sie ja fast behalten. Dann hätte ich nächstes Jahr zehn oder so...” “Nichts, nächstes Jahr gibt's keine Gänse”, ruft die bessere Hälfte aus Richtung Erdbeerbeet. Da wird der Raab Luck ganz leise: “Doch”, flüstert er und zwinkert, “ich hol mir schon wieder welche...”
Das ist doch eine Freude, wenn man die Tiere sieht.”