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Vereinsscheibe der Talschützen Talschütz Katzbach 1924 e.V. Cham – Katzbach
Presse Sonntag, 17. Juni 2012

Besichtigung des Biomassekraftwerkes in Cham

Die Rauchfahnen über dem Biomasseheizkraftwerk bei der Goldsteig-Käserei in Cham sind merklich geschrumpft, doch bleibt das Interesse an der im Landkreis neuen Technik weiterhin groß. Sie waren von den Dimensionen und den technischen Details fasziniert und hatten nach der Besichtigung des Kraftwerks noch etliche Fragen.
Der Geschäftsführer der Naturenergie Cham GmbH, die das Kraftwerk betreibt, Josef Windmaißer, begrüßte zusammen mit dem Projektleiter des Ingenieurbüros Gammel, Thomas Zweier, die über 30 Gäste mit ihrem Vorsitzenden Günther Gruber vor dem Eingang des hohen Gebäudes und ließ sie erst einmal in den Hackschnitzel-Bunker blicken, in dem normalerweise eine Materialmenge für drei Betriebstage des Kraftwerks vorgehalten wird. Er schlug dann vor, sich das Werk erst einmal anzusehen und danach im Besprechungsraum auftauchende Fragen zu stellen, da dies wegen des Lärms in dem Betrieb selber kaum möglich sei.
Das merkten die Besucher auch gleich, als sie in das mehrere Stockwerke hohe Gebäude eintraten und von einem ständigen lauten Surren und Dröhnen empfangen wurden. Vor allem die Gebläse und die anderen Motoren, aber auch das Feuer in den riesigen Heizkesseln machten eine Verständigung über größere Entfernungen unmöglich. So folgten die Talschützen den Angestellten über Treppen und durch verschiedene Räume, kamen an gewaltigen Kesseln oder Tanks vorbei, staunten über die dicken Rohre und durften durch ein kleines Fenster einen Blick ins Inferno der Hackschnitzelverbrennung im Brennraum werfen oder die Rauchgasfilter bestaunen.
Sie bekamen auch mit, dass es neben den Anlagen für die Dampferzeugung mittels der Holzschnitzel auch gas- oder ölbetriebene Reservesysteme gibt, die ständig für einen eventuellen Noteinsatz bereit, also "unter Dampf", gehalten werden. Vor allem die Dimensionen der gesamten Anlage wie der einzelnen Komponenten beeindruckten die Besucher, etwa die Kessel für den Pufferspeicher, die zweimal 100000 Liter Fassungsvermögen haben.
Im Konferenzraum kamen dann alle noch mal zusammen. Auf eine Frage im Anschluss, wie denn dieser Kessel erneuert werden kann, wenn er nach etwa 20 bis 30 Jahren ausgetauscht werden muss, erklärte Zweier, dass man den Kessel auch auseinandernehmen und im Gebäude zusammenschweißen kann. Man könnte aber auch das Dach des Kraftwerks wegnehmen und den neuen Kessel komplett mit einem Kran einsetzen.
Auch tauchte die Frage auf, wie groß der Verschleiß sei, da das Brennmaterial offenbar stark mit Rinde durchsetzt ist, die aggressiver als Holz verbrennt. Zweier stimmte dieser Einschätzung zu, verwies aber darauf, dass das Kraftwerk wegen der staatlichen Förderung, die bei minderwertigem Feuerungsmaterial erheblich größer sei, schon auf diese Qualität ausgerichtet sei. Der Kessel solle also mindestens 20 Jahre halten, wahrscheinlich 30, sie hofften sogar auf 40 Jahre.
Windmaißer und Zweier wiesen auch noch darauf hin, dass das Heizkraftwerk wärmegeführt sei und damit die Einkommensseite sicherer sei als bei einem stromgeführten. Denn der Wirkungsgrad liege dabei derzeit bei 87 Prozent.
Mit der Wärme würden auch immer mehr Gebäude in der Stadt versorgt. Zurzeit sind etwa fünf Kilometer Fernwärmeleitung verlegt, bis zur Fleischtorbrücke, der andere Strang auf den Schulberg bis zum Krankenhaus wird gerade gebaut. Momentan sei die Fernwärme 10 bis 15 Prozent günstiger als die anderen Energiequellen. Doch wann sich das Heizkraftwerk amortisiert habe, könne er nicht sagen, das hänge zu viel von sich ständig ändernden Faktoren ab. Aber wenn die Familie Rädlinger in die Betreibergesellschaft Naturenergie Cham eingestiegen sei, dann sei der Kraftwerksbau sicher keine Fehlinvestition.
Windmaißer als Chef der Stadtwerke Cham erklärte noch den derzeitigen Stand der Versorgung mit erneuerbaren Energien in der Kreisstadt und die nächsten Ziele. So seien im Stadtgebiet momentan 600 Photovoltaik-Anlagen installiert mit einer Leistung von 18000 kW/h, dazu kommen drei Wasser-, drei Biomasse- und acht Gaskraftwerke. Sie zusammen produzieren 35 Millionen kW/h pro Jahr.
"Wenn die Sonne scheint, haben wir fast mehr Strom, als die Stadt verbraucht", berichtete der Geschäftsführer. Doch brauche man eben auch Kraftwerke, die als Reserve bereit stehen, wenn Wolken aufziehen. "Der Atomausstieg ist noch nicht vorbei. Da müssen jede Kommune und jeder Bürger was dazu beitragen und Energie liefern - oder sparen."