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Vereinsscheibe der Talschützen Talschütz Katzbach 1924 e.V. Cham – Katzbach
Bericht Freitag, 20. September 2019

Glockenturm erhielt den Segen

Glaube Bei strahlendem Sonnenschein feierten die Wackerlinger zusammen mit vielen Gästen ihr “Werk der Dorfgemeinschaft”.

Ein Beispiel, wozu eine Gemeinschaft imstande ist, um Brauchtum zu bewahren und vor dem Aussterben zu retten, findet sich am Dorfanger in Wackerling. Dort steht seit diesem Jahr ein Glockenturm, den die Mitglieder des Vereines Dorfglocke Wackerling mit viel Fleiß, Engagement und Spendenbereitschaft errichtet haben. Am Wochenende erhielt der Turm seinen kirchlichen Segen.

Die Geschichte geht viele Generationen zurück und man weiß heute nicht mal mehr genau, warum sich die Einwohner von Wackerling eine kleine Glocke angeschafft haben. War es die übliche Volksfrömmigkeit von damals, als mit einer Glocke täglich zu den gewohnten Gebeten gerufen wurde? Oder läutete sie bei Unglück oder Gefahr? Beides ist möglich.

550 Stunden Eigenleistung Die erste Glocke musste in den Anfangsjahren des 2. Weltkrieges der Rüstung geopfert werden und wurde eingeschmolzen. In einem feierlichen Akt weihte man 1989 den neuen Glockenturm, noch auf dem Haus der Familie Schlamminger, ein. Über Jahrzehnte begleitete die Glocke die Bewohner der kleinen Ortschaft als Taktgeber, bis 2014 das altersschwache Bauernhaus einem zeitgemäßen Neubau weichen musste.

Es dauerte nicht lange, bis die Wackerlinger beschlossen, der heimatlos gewordenen Glocke ein neues Domizil zu suchen und gründeten den Verein Dorfglocke Wackerling. Unter dem Vorsitz von Beate Holzinger wurden Spenden gesammelt und Neumitglieder geworben. Das Architekturbüro Kerschberger erstellte die notwendigen Planungen und Sepp Simml die Statik.

Mit Unterstützung durch die Stadt Cham erfolgte am 13. April der Spatenstich, am 24. Mai war Richtfest für die hölzerne Tragkonstruktion, erstellt von der Zimmerei Ederer aus Rhanwalting. Es ist neben den großzügigen Spenden vor allem den zahlreichen freiwilligen Helfern zu verdanken, dass nach circa 550 Stunden Eigenleistung ein imposantes Bauwerk entstehen konnte. Es wäre übertrieben zu behaupten, dass Petrus den Einsatz der Beteiligten mit perfektem Wetter belohnen wollte, jedoch schenkte er den Wackerlingern an den beiden Festtagen strahlenden Sonnenschein. Folglich kamen die Besucher in Scharen und übertrafen die Erwartungen der Verantwortlichen. Angeführt von der Kapelle De Kloane Blosmuse unter Leitung von Stadtrat Sepp Blaha wurde das Fest mit einem feierlichen Einzug eröffnet.

Glocke wiegt 45,36 Kilogramm Stadtrat Georg Kerschberger zapfte mit zwei Schlägen das erste Fass Bier an, und beim Glockenquiz schätzte Josef Schwarzfischer aus Rhanwalting das Gewicht der Glocke (45,36 Kilogramm) auf das Gramm genau.

Der Sonntag wurde mit einem feierlichen Gottesdienst, zelebriert von Pfarrer Dr. Kazimierz Pajor, begonnen. In seiner Predigt hob der Geistliche den Glockenturm als Werk der Dorfgemeinschaft hervor. Er verwies auf die Bedeutungen des Läutens der Dorfglocke. Zum einen erklingt sie als Sterbeglocke und zum anderen als Erkennungszeichen des Angelusgebetes.

Bei Letzterem solle das Läuten zu einem kurzen Angelusgebet einladen und erinnere somit dreimal am Tag an das Geheimnis der Menschwerdung Christi und die damit verbundene Erlösung. “Beten wir es zu Hause, auf dem Feld, unterbrechen wir den Tag für wenige Minuten und grüßen wir die Gottesmutter Maria und unseren Erlöser Jesus Christus mit dem Angelusgebet”, predigte Pajor. Am Ende der Messe segnete er den Glockenturm, und die Gläubigen beteten zum Geläut. Musikalisch wurde der Gottesdienst von der Kapelle Da Blechschon begleitet. Bis spät am Abend wurde die Einweihung gefeiert.

Geschichtliches Anfänge: Die erste Glocke erwarb die Familie Siegl (später Schlamminger) und installierte diese in einem kleinen Glockenturm auf dem First ihres Bauernhauses.

1949: Auf Initiative der vier Wackerlinger Familien Siegl, Brückl (jetzt Lex), Laubmeier und Dankerl wurde im Jahr 1949 für 1000 Mark eine neue Glocke angeschafft.